LWG Infoveranstaltung für Sachverständigenausschüsse
Geschrieben von: Sybille Fertsch (LWG)   

Klimawandel beeinflusst auch die Standortbewertung von Rebflächen

Gelten alte Wetterregeln nicht mehr? Zeitigerer Austrieb der Reben und frühere Lese, verbunden mit Spätfrösten, Trockenstress und faulenden Trauben: Was Frankens Winzer 2010 an Wetterkapriolen erlebten, könnte für sie in Zukunft zur Regel werden. Das hat nicht nur auf Pflanzen und Erträge Auswirkungen – sondern auch auf die Qualität einer Rebfläche. Darüber informierten sich die Mitglieder der Sachverständigenausschüsse anlässlich einer Informationsveranstaltung an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG).

 

Anlass für Treffen und Vorträge war der Beginn eines neuen dreijährigen Berufungszeitraums für die Sachverständigenausschüsse nach dem Weinrecht. „Die fachlichen Beurteilungen der Sachverständigen waren und sind Garant, dass die darauf gestützten Verwaltungsentscheidungen der LWG im höchsten Maße gerichtsfest sind“, betonte Harald Märtel, der Leiter der Abteilung Recht und Service der LWG, und hob damit die Bedeutung dieser ehrenamtlichen Tätigkeit hervor.

Das deutsche Weinrecht schreibt seit 1961 vor, dass Wein nur auf Flächen erzeugt werden darf, die dafür auch geeignet sind und Qualitätsweinniveau besitzen. Damit ist der Qualitätsgedanke im Weinbau bereits vor der ersten Rebpflanzung gesetzlich verankert. Gleichzeitig wurden in Franken Sachverständigenausschüsse nach dem Weinrecht gebildet, die auf Vorschlag des Fränkischen Weinbauverbandes und des Deutschen Wetterdienstes von der LWG berufen werden. Sie geben Gutachten über die Weinbaufähigkeit einer Lage ab. Das bedeutet, dass nicht die Weinbaubehörde alleine entscheidet, sondern auch die weinbauliche Praxis immer Sitz und Stimme haben.

Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau als zuständige Behörde nutzte den Beginn des aktuellen Berufungszeitraums für eine Informationsveranstaltung, um den Aufgabenbereich sowie die neuesten Erkenntnisse zur Standortbewertung aus klimatischer und weinbaufachlicher Sicht vorzustellen. So gaben Hans Neubert und Peter Voltscheff von der LWG einen Rückblick auf die Tätigkeit und Besonderheiten der letzten Jahre.

Zwei Fachvorträge beleuchteten die Auswirkungen des Klimawandels auf den Weinbau und die Qualität der Rebflächen. So prognostiziert Dr. Cornelia Perseke-Ockelmann vom Deutschen Wetterdienst in ihrem Vortrag über den Klimawandel eine Verfrühung der phänologischen Entwicklung. Im Einzelnen bedeute dies, so die Leiterin des Bereiches Agrarmeteorologie am Standort Geisenheim, einen früheren Austrieb der Reben, eine frühere Reifephase sowie eine frühere Lesereife. Diese Faktoren seien jedoch verbunden mit einem erhöhten Spätfrostrisiko und einer erhöhten Fäulnisgefahr. Auch sei verstärkt mit Hitze- und Trockenstress im Sommer zu rechnen, was zu vermehrtem Bewässerungsbedarf führen werde.

Neue Erkenntnisse zur Standortbewertung speziell in Anbaugebiet Franken stellte Dr. Arnold Schwab von der LWG vor. Er ging den Auswirkungen des Klimawandels auf die Bewertung und Bewirtschaftung der fränkischen Weinbaulagen mit Schwerpunkt der landschaftsprägenden Steil- und Terrassenlagen nach. Dabei berücksichtige er vor allem die qualitativen, quantitativen und ökonomischen Aspekte. Besonders beeindruckten die Teilnehmer die Vorstellung erster Ergebnisse und Bewertungen einer Projektarbeit zum Thema „Auswirkungen des Klimawandels auf die Bewertung und Bewirtschaftung der fränkischen Weinbaulagen“.

Eine Exkursion zu zwei Beispielflächen in den Gemarkungen Nordheim und Escherndorf rundete die Veranstaltung ab. Dort ermittelten die Ausschussmitglieder anhand der relevanten Parameter wie Hangneigung, Exposition, Höhe und der Zehnjahresprognose die Weinbaufähigkeit der Beispielfläche. Diplomgeographin Ulrike Maaß von der LWG stellte hierbei die aktuellen Werte der am gleichen Standort befindlichen Klimamessstation vor. Diskutiert wurde innerhalb der Expertenrunde, inwieweit diese Werte künftig in die Entscheidungsfindung mit einfließen könnten.

 

 Mitglieder Sachverständigenausschuss


  Der neu formierte Sachverständigenausschuss nach 
  dem Weinrecht im Wintergarten der LWG Vordere Reihe
  Helga Hassemer-Schwarz, Dr. Cornelia Perseke-
  Ockelmann, Markus Schmachtenberger; zweite Reihe
  Raimund Stumpf, Harald Märtel; dritte Reihe Rudi May,
  Michael Fröhlich, Werner Emmerich; vierte Reihe
  Eberhard Gündert, Hans Neubert, Dr. Klaus-Peter Heigel;
  hintere Reihe Prof. Klaus Wahl, Peter Voltscheff. Helga
  Hassemer-Schwarz, Dr. Cornelia Perseke-Ockelmann und
  Professor Klaus Wahl sind als Vertreter des Deutschen
  Wetterdienstes (DWD) tätig, die Vertreter der LWG
  (Märtel, Neubert, Voltscheff) sind keine Ausschuss-
  mitglieder. Neubert und Voltscheff übernehmen die
  Geschäftsführung der Sachverständigenausschüsse.
  Foto lwg