Großversuch zum Klimawandel
Geschrieben von: Sybille Fertsch (LWG)   

Landesanstalt pflanzt weitere 130 mögliche Stadtbaumarten der Zukunft
Grüne Lungen im Wettbewerb 

 

 

Keine Winterpause für die Gärtner: Trotz eisiger Kälte schaufelten in den vergangenen Wochen die Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim ein Pflanzloch nach dem anderen im Versuchsgelände Stutel an der Thüngersheimer Staustufe. 450 zum Teil mehr als fünf Meter hohe Bäume mussten in die Erde. Pro Sorte pflanzen die LWG`ler bis zu vier Stück. Die Gehölze sind Teil eines großangelegten Versuchs von Baumschul-Spezialist Klaus Körber zur Suche nach den besten Stadtbäumen der Zukunft. Nach Abschluss der Arbeiten werden sich auf LWG-Gelände insgesamt 130 Baumarten auf mehr als zwei Hektar Fläche über viele Jahre hinweg beobachten lassen.

„Der Klimawandel wird auch an den grünen Lungen unserer Städte nicht spurlos vorrübergehen. Schon heute wissen wir, dass einige unserer Baumarten mit den damit verbundenen Wetterextremen auf Dauer nicht zurechtkommen werden“, erklärt Körber. „Gleichzeitig nimmt durch die Globalisierung im Pflanzenhandel der Befall mit neuen Krankheiten und Schädlingen enorm zu. Wobei auch einheimische bisher robuste Arten befallen werden können. Deshalb suchten wir vor allem in Europa, aber auch in der ganzen Welt nach Ersatz. Und es gibt eine ganze Reihe von bisher wenig bekannten Bäumen, die in Zukunft das Gesicht unserer Städte prägen könnten.“

Bereits im Projekt „Stadtgrün 21“ hatten Körber und Kollegen der Abteilung Landespflege der LWG 20 Baumarten ausgewählt. In Hof/Münchberg, Kempten und Würzburg dürfen sie sich seit Frühjahr 2010 bewähren. Doch längst nicht alle möglichen Favoriten konnten in das Projekt aufgenommen werden. „Deshalb pflanzen wir hier jetzt nach“, freut sich Körber und betont: „Als einer der wenigen Standorte in Europa haben wir in Veitshöchheim auf einer zusammenhängenden Fläche künftig die Möglichkeit, die Reaktionen unterschiedlicher Bäume auf bestimmte Witterungseinflüsse zu beobachten, zu vergleichen und zu bewerten.“

Unterstützt wird Körber von den großen Baumschulen Deutschlands, Italiens, Hollands und Belgiens. Sie spendeten die Gehölze. Darunter befinden sich auch viele erdgeschichtlich alte Bäume wie Ginkgo, Urwelt-Mammutbaum und Magnolien. Die Vielfalt ist gewaltig. Zu Riesen wie dem Götterbaum gesellen sich viele kleinkronige, kugelförmige und schmale Baumarten und –sorten. Sie passen auch in die Hausgärten. Interessierte können das Versuchsgelände Stutel von Montag bis Freitag während der Arbeitszeit besichtigen.