„Heißer Herbst” im Sachgebiet Obstbau und Baumschulen
Geschrieben von: Hubert Siegler   

Am „Tag der offenen Tür” (6. Juli 2008) wurde das Versuchsgelände „Stutel” in schon gewohnter Weise von den Besuchern wiederum sehr gut angenommen oder anders gesagt „belagert” – seien es die zahlreichen Fachführungen (Obst, Rosen, Clematis) oder die vielseitigen Infostände (Gehölze, Obst, Pflanzendoktor usw.). Jedenfalls konnten die mehr als 5.000 Gäste die aktuellen Informationen und Anregungen ebenso mit nach Hause nehmen wie die an den Firmenständen erworbenen Pflanzenneuheiten.

Fachtagungen im Herbst:

Tafeltraubentag
Den Auftakt zum „heißen Herbst” bildete der Tafeltraubentag, ein Gemeinschaftswerk der Abteilungen Weinbau und Gartenbau, am 18. September. Er war mit 150 Teilnehmern noch nie so gut besucht wie heuer. Um alle Besucher ausreichend informieren zu können, wurden diese in Gruppen zu den einzelnen Beiträgen aufgeteilt:

  • Sortenschau mit Verkostung und Bewertung aktueller Tafeltraubensorten und interessanten Neuheiten (83 Fragebögen wurden abgegeben)
  • Information zur Lagerung von Tafeltrauben und anderen Obstarten in MAP/X-Tend-Beuteln: Herr Barthodzie von der Firma Lorentzen & Sievers aus Hamburg stellte dieses Verpackungs- und Lagerungssystem vor und teilte Informationen dazu aus.
  • Alexander Seith stellte Ergebnisse seiner Diplomarbeit „Impulse für die Vermarktung heimischer Tafeltrauben” vor.
    (Anmerkung: Die Ergebnisse wurden u.a. in der Fachzeitschrift Obstbau Nr. 9/2008 publiziert.)
  • Mehrere Führungen durch die Versuchsanlagen durch Josef Engelhart, Roman Döppler und Wilhelm Straßberger sowie Informationen von den Fachleuten aus 1. Hand „an der Front”
  • Informationsaustausch mit teilnehmenden Rebschulen zu Sortenneuheiten

Bei der Verkostung der ausgestellten Tafeltraubensorten lag überraschenderweise die „außer Konkurrenz” mitgelaufene Neuheit „Venus” mit vorne. Diese Einschätzung muss sich künftig weiter bestätigen. Ansonsten kamen ähnliche Ergebnisse wie in den Vorjahren zustande:
„Palatina”, „Muscat bleu”, „Frumuosa Alba”, „Juliana”, „Arkadia” waren auch heuer wieder top. Hinzu kam „Drusba” und dieses Mal auch eine Sorte aus dem Lebensmitteleinzelhandel, nämlich „Thompson Seedless”. Die im Vorjahr günstig eingestufte „Galanth” schnitt 2008 schlecht ab. Wir hätten auch bezüglich des Merkmals „Kaufverhalten” bei den kernlosen Sorten „Primus”, „Millenium”, „Tonia” und „Artemis” ein weitaus besseres Ergebnis erwartet. Alle Details zur Verkostung und Bewertung siehe unter www.lwg.bayern.de/gartenbau/obstbau/.

Apfelsortenausstellung
Am Donnerstag, den 25. September 2008 fanden sich 30 Erwerbsobstbauer ein, um sich ein Bild von den neuen Sorten/Mutanten machen zu können. Die zahlreichen Sorten wurden in Gruppen zusammengefasst und Hubert Siegler gab Hinweise zu den einzelnen Sorten. In Plakaten, die draußen an Pinnwänden befestigt waren, wurden die Ergebnisse der letzten Jahre zusammengefasst dargestellt. Es handelte sich um Einzelbaumerträge, Fruchtgewichte, Fruchtdurchmesser und Reifezeiten (1. Pflücke) der geprüften Sorten.
Die Sortenschau wurde in folgende Gruppen eingeteilt:

  • Frühsorten (u.a. „Piros”, „Arkcharm”, „Sunrise”, „Galmac”, „Delbarestivale” und ihre Mutanten)
  • „Gala”-Mutanten
  • „Elstar”-Mutanten, „Diwa”, „Rubens”
  • „Rubinette” (und Mutanten), „Red Boy”, „Pilot”, „Pirella”
  • „Jonagold”-Mutanten
  • „Braeburn”-Mutanten
  • „Fuji”-Mutanten
  • schorfresistente Sorten, u.a. „Collina”, „Gerlinde”, „Ecolette”, „Topaz”, „Santana”, „Rubinola”
  • Besonderheiten, z.B. „Weirouge”

Neben den ca. 80 Apfel- wurden auch 20 Birnensorten gezeigt – von Frühsorten wie „Williams Christ”, „Harrow Sweet” über „Condo”, „Concorde”, „Verdi”, „Vereinsdechant”, „Pierre Corneille”, „Erika”, „Novemberbirne” hin zu den wichtigsten Pillnitz-Naumburger-Sorten wie „Uta”, „Hortensia”, „David”.

3. Veitshöchheimer Gehölztag, 26. September 2008
Neben der Veitshöchheimer Wintertagung, dem traditionellen Baumschultag, findet im 2-jährigen Rhythmus der Gehölztag im Sommer statt. Dieses Mal aber im Herbst, denn das Motto 2008 lautete „Die Top-Ten-Liste der Obstgehölze für den Hausgarten”. Dabei sollten die aus mehrjährigen Versuchen und Erkenntnissen qualitativ besten und für den Freizeitgärtner zugleich problemlos anzubauenden Sorten vorgestellt werden. Die Baumschulbranche kann sich mit der Einbeziehung besonderer Sorten in ihr Obstgehölzsortiment profilieren und als Fachbetrieb von branchenfremden Anbietern deutlich abgrenzen.

Erstmalig nahmen am Gehölztag neben Baumschulbetrieben auch Freizeitgärtner teil. Sie sollten ebenso über Neuheiten informiert werden, um diese dann in der Baumschulbranche nachzufragen – im Idealfall eine optimale Symbiose.

Zum Vortragsteil konnten der Präsident der LWG, Anton Magerl, und der Vorsitzende des BdB-Landesverbandes Bayern, Ludwig Wörlein, 180 Teilnehmer in den Mainfrankensälen begrüßen.

Der 1. Beitrag befasste sich mit der aktualisierten Top-Ten-Liste der Obstgehölze für den Hausgarten (siehe: www.lwg.bayern.de/gartenbau/baumschulen/). Klaus Körber moderierte den Vortrag, den Hubert Siegler und Roman Döppler ausführten. Auch der 2. Vortrag „Aktuelle Pflanzenschutzinformationen zum Obstgehölz im Hausgarten” wurde als „Co-Produktion” der beiden Obstspezialisten referiert. Diese abwechslungsreiche Darstellung kam bei allen Teilnehmern sehr gut an.

Am Nachmittag konnte ein Großteil der „Top-Ten-Sorten” im Versuchsgelände Stutel besichtigt werden, sowohl in einer Sortenausstellung mit der Möglichkeit der Verkostung als auch durch Präsentation der Gehölze durch wichtige Obstbaumschulbetriebe. Abgerundet wurde dieser kleine „Obstmarkt” durch den Verband Fränkischer Obstbauern, den Herr Riehl vom Amt für Landwirtschaft Kitzingen vertrat und aufzeigte, dass derartige Sorten auch in heimischen Obstbaubetrieben erhältlich sind. Selbstverständlich wurden die Besucher in Gruppen durch die Obstbauversuche (Schwerpunkte Apfel, Beeren, Tafeltrauben), aber auch die Rosen im 2. Flor geführt.

Beitrag auf der Landesgartenschau (LGS) Neu-Ulm
Vom 3. bis 5. Oktober war das Sachgebiet auf der LGS mit dem Thema „Gesundes Obst: Äpfel und Trauben” vertreten. Auch hier standen die robusten Sorten beider Obstarten im Vordergrund. Im Ausstellungsgewächshaus des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten informierten Plakate zu schorfresistenten Apfelsorten und pilzwiderstandsfähigen Tafeltrauben. Einen Großteil dieser speziellen Sorten konnten die zahlreichen Besucher (Feiertag sowie letztes Wochenende der LGS) in Augenschau nehmen.

Exemplarisch wurde an den drei Tagen eine Verkostung von vier Apfelsorten mit Bewertung vor-genommen. Daraus bestimmten fast 1.300 Besucher ihren „Lieblingsapfel”. 32 % der Bewertungen entfielen auf „Santana”, gefolgt von „Rebella” (26 %), „Gerlinde” (22 %) und „Florina” (20 %). Es gab keinen „Verlierer”. Das Ergebnis zeigt, dass nicht nur 1 bis 2 Sorten im Hausgarten gewünscht werden.
Zu diesem Zeitpunkt konnten spätreifende Sorten wie „Topaz”, „Ariwa”, „Otava”, „Rajka” wegen fehlender Genussreife noch nicht in die Verkostung mit einbezogen werden.

Selbstverständlich gaben wir den Ratsuchenden Auskunft zu Fragen bezüglich der vielseitigen Probleme im Obstanbau. Als die LGS am Sonntagabend beendet war, waren auch alle ausgestellten Früchte verzehrt.

Streuobstag, 12. Oktober 2008
Zum nunmehr 7. Mal beteiligte sich die LWG an der bayernweiten „Aktion Streuobst 2000 plus”, die von den Sachgebieten Landschaftspflege und –entwicklung (Abteilung Landespflege) sowie Obstbau und Baumschulen (Abteilung Gartenbau) gemeinsam organisiert wird. Neben Informationsständen und Ausstellungsbeiträgen dieser Sachgebiete beteiligen sich von der LWG die Fachzentren Bienen und Bildung (Gartenakademie, Schulen, Bibliothek) an dieser Aktion.

Hauptattraktion war – wie jedes Jahr – die große Sortenausstellung mit rund 200 Apfel- und Birnensorten, die die Pomologen zusammengetragen haben. Außerdem konnten sie auch ca. 450 unbekannte Sorten der Teilnehmer identifizieren. Darunter befanden sich auch sehr seltene Sorten. Auch heuer fand das Konzept dieser Veranstaltung – nämlich vielfältige Fachinformation und Verkostung – mit mehr als 2.000 Besuchern wieder breite Zustimmung.

Verkostet wurden u.a. Apfelsorten, exklusive und spezielle, nicht alltägliche Streuobstprodukte aller Art, frisch gepresste Säfte. Informationen zum Streuobstanbau, u.a. Mechanisierung der Ernte, Pflanzenschutz im Obstbau, Infos vom Landschaftspflegeverband, Fachvorträge, wurden ebenso stark nachgefragt wie auch Informationen zum Anbau von Obstgehölzen im Haus- und Kleingarten.

Die hohen Teilnehmerzahlen an den Führungen durch das Außengelände und an den Vorträgen bestätigten das fachliche Interesse der Besucher. Die Studierenden (SMV) bewiesen, dass sie die Bewirtung der Gäste voll im Griff hatten und dass ihre Backkunst auf vollste Zustimmung fiel: die selbstgebackenen Kuchen waren restlos ausverkauft.

Hubert Siegler