Die klassischen giftigen „Vier”
Geschrieben von: Frank Angermüller   

Viele Pflanzen lagern Giftstoffe in ihre Blätter, Zweige oder Wurzeln ein, um sich so vor Schädlingen zu schützen. Die Erfahrungen zeigen, dass sich insbesondere kleine Kinder (im Alter von 2 bis 3 Jahren am meisten gefährdet) von farbig leuchtenden Beeren und Früchten magisch angezogen fühlen.

Nach der DIN 18034 dürfen deshalb folgende vier Pflanzen auf Spielplätzen und Freiräumen zum Spielen nicht gepflanzt oder vorhanden sein: Seidelbast (Daphne mezereum), Europäisches Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus), Gemeine Stechpalme (Ilex aquifolium) sowie Gemeiner Goldregen (Laburnum anagyroides).

Die DIN Norm 18034 ist jedoch, was vielfach übersehen wird, auch dann zu beachten, wenn Flächen bepflanzt werden, die nur teil- oder zeitweise zum Spielen geeignet sind wie z. B. das Wohnumfeld, Schulhöfe sowie Freizeiteinrichtungen (Grünanlagen, Sportplätze, Freibäder).

Neben diesen klassischen vier Pflanzen gibt es aber noch eine ganze Reihe von weiteren Pflanzen, die nicht auf Kinderspielplätze gehören. Für Interessierte, die sich weniger mit dem Thema Giftpflanzen beschäftigt haben, hat die Bundesregierung bereits 1975 eine Liste von giftigen Pflanzenarten herausgegeben, um die Information über häufiger vorkommende Giftpflanzen zu verbessern.

Diese Liste stellt nach wie vor ein sehr brauchbares Instrument dar, um Pflanzen hinsichtlich ihrer Gefährlichkeit einordnen zu können. Weitaus schneller kann man sich jedoch heute im Internet auf den Seiten der Giftnotrufzentralen (www.gifte.de/Giftpflanzen/Laien/Giftinformationszentrum.html) über giftige Pflanzen sowie die Giftnotrufzentralen in Deutschland, Europa und International informieren.

Die wichtigste Grundregel bei Verdacht auf eine Vergiftung vor allem bei Kindern ist, Ruhe zu bewahren. Nur ca. jede siebzigste Vergiftung mit Pflanzenteilen führt zu einer ernsten Vergiftung – in sehr wenigen Fällen (z. B. bei Eisenhut) kann es zu Todesfällen kommen.

Es ist bei der Vergiftung mit Pflanzen zu beachten, dass sich die Anzeichen einer Vergiftung erst nach einiger Zeit bemerkbar machen. So treten z. B. beim Verzehr von Gemeinem Goldregen die ersten Symptome erst nach ca. 15 bis 60 Minuten oder bei der Eibe ca. ein bis zwei Stunden später auf. Die meisten Vergiftungen durch Pflanzenteile sind leichten oder mittleren Grades. In vielen Fällen verhindern auch körpereigene Schutzmechanismen des Menschen, wie z. B. das Erbrechen, dass es zu schwereren Vergiftungen kommen kann.

Bei einem Verdachtsfall sollte man sich mit dem Giftnotruf, dem Notarzt oder einem Arzt in Verbindung setzen. Die Giftnotrufzentralen sind für akute Vergiftungsfälle rund um die Uhr erreichbar.

Die Telefonnummern finden sich z. B. unter www.kindergesundheit-info.de/giftnotruf2.0.html (Stand 2008).

Bei einer Anfrage sind folgende Informationen besonders wichtig:

  • Wer ist betroffen (Kind, Erwachsener)?
  • Wie alt und wie schwer ist der/die Betroffene?
  • Wann wurde wie viel Gift und wie aufgenommen?
  • Wie ist das aktuelle Befinden?
  • Wo ist die Vergiftung passiert?
  • Wer ruft an (Telefonnummer für Rückfragen)?

Auch für einen Fachmann ist es sehr schwierig zu beurteilen, wie stark die Wirkung bei einer Vergiftung ist. So schwankt bei einigen Pflanzen (z. B. Taxus baccata) der Giftgehalt in Abhängigkeit von der Jahreszeit oder es bestehen Unterschiede bei den jeweiligen Sorten. Hinzu kommt, dass auch der Mensch unterschiedlich auf Giftstoffe reagiert.

Bei Verdacht auf eine Vergiftung darf auf keinen Fall Salzwasser (konzentrierte Salzlösung kann für kleine Kinder tödlich sein!) oder Milch (beschleunigt Aufnahme giftiger Stoffe im Organismus) verabreicht werden. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, Kinder Tee oder Wasser trinken zu lassen, um die Giftstoffe zu verdünnen.

Frank Angermüller